Sloterdijk zitiert in einem ziemlich konfusen und ziemlich selbstgefälligen
Interview Richard Rorty:
"Richard Rorty hat seine Kollegen in den philosophischen Departments und Humanwissenschaften einmal etwas bitter als „detached cosmopolitan spectators“ bezeichnet. Er meinte damit: Sie reden von der Krise wie von einer Operninszenierung. Allenfalls blicken sie mit dem Opernglas auf die Katastrophen an der Peripherie, ohne zu begreifen, dass viele Desaster, die sich heute ereignen, nicht nur ihren eigenen Unheilsgehalt haben, sondern auch Zeichenqualität für unsere Zukunft besitzen." Wer sich darin wiedererkennt, der hebe jetzt sein Opernglas.
Die Kritik ist in gewisser Weise berechtigt; leider ist Rorty politsch liberal und philosophisch mindestens halber Dekonstruktivist (und in Wahrheit, anders als Sloterdijk behauptet, kein bisschen "bitter"). Interessanterweise berufen sich wahrscheinlich alle Seiten (die Zyniker, die Ignoranten, die Idealisten, d. h. die Dummen, die Postmodern-Politischen, etc.) mehr oder weniger auf die gleichen Grundwerte. Natürlich in einem rein negativen Sinne: Sie berufen sich vor allem auf die mutige Emanzipation von schlechten, überkommenen Grundwerten.
Kurz, es scheint sich eine Debatte anzukündigen, bei der mal wieder sämtliche Rollen von Arschlöchern besetzt sind.
Gegen die Oper, gegen das Leben:
T. H.