Samstag, 28. Februar 2009

Die Perfekte Gesellschaft III: Die Mittel

Die Synchonisierung aller Emotionen aller Menschen ist also eine technische Frage. Innerhalb weniger Jahrzehnte werden wir uns in der Lage sehen, mittels Implantaten die Emotionen und Befindlichkeiten aller, und damit ihre Interessen synchronisieren. Heute bereits verfügbare elektronische Kommunikationsmittel geben dem Kollektiv die Fähigkeit zur Koordination. Wieviele von diesen Schnittstellen innerhalb und wieviele ausserhalb des Körpers getragen werden sollten, wird der Stand der Technik und der Mode diktieren. So oder so wird ein dezentrales Kollektiv mit autonomen Einheiten entstehen, die alle nach den selben Zielen streben.

D.S.

Freitag, 27. Februar 2009

Zurück zu alten Werten

Ich muss mich entschuldigen schon wieder die Finanzkrise zu bemühen. Aber ich musste gerade lesen, dass wir (die Europäer) noch schlimmer dran sind als die USA. In den Vereinigten Staaten stolpert man angeblich nur ein wenig, aber wer dafür sorgt, dass die Welt so richtig auf die Fresse fällt sind mal wieder wir. Erst rudert unser Oberami vom "Krieg gegen den Terror" zurück und meint so was wie "So war das mit dem Clash of Civilizations ja gar nicht gemeint...", und jetzt kriegen sie nicht mal eine anständige Weltwirtschaftskrise zustande. Endlich wieder eine Chance für das gute alte Europa zu zeigen, dass wir keine halben Sachen (mehr) machen, sondern schon immer einen Hang zum Totalen hatten.

"There is real rist of Europe dragging the world into a longer, darker night."
(Aus oben zitiertem Artikel)

Also schnell wieder zur "Perfekten Gesellschaft", bevor die Krise überstanden ist und sich keiner mehr für "grosse Ideen" begeistern kann.

D.S.

Magnificently

Soeben ist Jonathan Littells Roman "Les Bienveillantes" ins Englische übersetzt worden; die Amerikaner machen sich nun daran, die europäische Debatte von letztem Jahr nachzuspielen. Das ist für alle, die Littell eher auf der sympathischen Seite verorten, keine schlechte Nachricht. Den bisher besten Schluss-Satz hat die Kritik von Donald Morrison in der Financial Times:

"Now France, or at least an American who writes in French, has given the world a huge, untidy 19th-century roman fleuve of the sort Hugo, Balzac or Zola might have attempted. A book that tries to ask the big questions. And fails magnificently."

Ungewollt ist das vielleicht das größte Kompliment, das man einem heutigen literarischen Werk machen kann.

T. H.

Die Perfekte Gesellschaft II: Der Weg

Nicht der Kompromiss oder die Unterdrückung kann für wahre Stabilität sorgen, sondern nur die Synchonisierung aller Interessen, aller Mitglieder der Gesellschaft. Alle Interessen lassen sich auf einen kleinsten Gemeinsamen Nenner - die Befindlichkeit - reduzieren. Jeder strebt danach, dafür zu sorgen, dass es ihm selbst gut geht. Die Emotionen sind durch die Konzentration von Botenstoffen und Hormonen im Körper mess- und manipulierbar.

D.S.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Die Perfekte Gesellschaft I: Das Ziel

Stabilität ist ein erstrebenswerter Zustand für eine Gesellschaft. Nicht als Selbstzweck, sondern als Symptom der perfekten Gesellschaft. Ist die Stellung jedes Individuums und jeder Gruppe in der Gesellschaft seiner Macht angemessen, sind die Positionen fair verteilt. Jeder hat sich via Macht die bestmögliche Position erstritten. In diesem Moment sind strukturelle Veränderungen völlig sinnlos und kaum möglich.

D.S.

Dienstag, 24. Februar 2009

Gratulation! (100ster Post)

Hiermit gratuliert sich Gegen die Welt, Gegen das Leben selbst zum 100sten Post. Zum Festtag gibt es zwei Geschenke:

1. Cake (Es gibt ihn doch!):

2. Ein neues Farbschema. Mehrmals musste ich hören, wie unangenehm es sei, weisse Schrift auf schwarzem Grund zu lesen. Ausserdem scheint mir, nach längerem Nachdenken, schwarzer Hintergrund dann doch etwas zu pubertär, was im krassen Widerspruch zu den doch sonst so erwachsenen Themen dieses Medienerzeugnisses steht.

Alles in Allem: Der Autor gratuliert seinem Werk, das ganze 100 Posts gesammelt hat!
D.S.

Buch: Freakonomics (2005)

"Freakonomics: A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything" von Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner ist interessant, lustig und kurzweilig. Die Autoren versuchen Alltagsphenomänen mittels Empirie auf den Grund zu gehen. Das ist manchmal etwas trivial, ab und zu unmoralisch, aber dennoch meistens unterhaltsam. Ohne zu viel von Statistik zu verstehen, versteht der Leser inwiefern der KKK sich wie Immobilienmarkler verhält, was Abtreibung mit Kriminalität zu tun hat oder wie die Namensgebung das Leben eines Kindes beeinflusst. Meistens ist die Erkenntnis am Ende weniger gross als gedacht, dennoch sind die Argumentationen oft von Schönheit und "out-of-the-box" geprägt. Der amüsante Stil tut das Übrige, um "Freakonomics" zu einer netten und bisweilen lehrreichen Ferien- oder Klolektüre zu machen.

D.S.

Samstag, 21. Februar 2009

Wer regiert die Welt?

“Sometimes I wonder whether the world is being run by smart people who are putting us on or by imbeciles who really mean it.”

Freitag, 20. Februar 2009

Kalte Küche

Heute im Supermarkt eine 5-Kilo-Packung Hundefutter mit der Aufschrift "Menu complet" gesehen. Ernsthaft darüber nachgedacht.

T. H.

Ümläüt!

Wie meine treuen Leser sicherlich bereits bemerkt haben waren Umlaute in diesem Blog bisher seltene Gäste. Doch jetzt wird alles anders, neuer, besser. Ich bin zum Macfag geworden und habe ein schönes neues MacBook Pro mit allem Drum und Dran und eben einer schweizerischen Tastatur.
In sofern bin ich nicht nur total trendig, sondern nun endlich auch in der Lage mein geliebtes Deutsch mit Punkten über Vokalen zu versorgen. Freut euch mit mir, Halleluja! Von nunan wird alles besser, schöner und stylischer! Die Welt steht kurz vor ihrer Rettung!

D.S.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Film: Delphinsommer (2005)

Diesen deutschen Fernsehfilm habe ich mir zu Beginn nur aus Voyeurismus angeguckt – er handelt von einer christlichen Sekte und einem jungen Mädchen (Nathalie), das mit ihren Sekten-Eltern von der Provinz nach Berlin zieht. Dort entdeckt sie – nicht unüblich für Berlin – Schritt für Schritt das sogenannte wahre Leben. Von den üblichen Klischees, die man von so einer Konstellation erwartet, finden sich in „Delphinsommer” jedoch so gut wie gar keine. Das ist erstaunlich. Im Gegenteil, alles macht einen ziemlich ungeschminkten Eindruck. Nathalies Verachtung für die freie Welt (Klassenkameraden, Klamotten, Kosmetik usw.) kann man gut nachvollziehen; genau wie ihre spätere Verzweiflung. Das gilt auch für die anderen Charaktere: Niemand wird dämonisiert, trotzdem ist alles durchzogen von einer kühlen, omnipräsenten Grausamkeit. Für Nathalie endet der Film einigermaßen glücklich – ihre Freundin, die ein bisschen mutiger ist als sie, bringt sich nach der knappen Hälfte um.
Die Dialoge wirken an manchen Stellen etwas holzschnittartig – doch ich habe mich gefragt, ob das der Grund ist, warum man sie manchmal am liebsten vorspulen würde (oder wenigstens eine Pause einlegen; dummerweise gibt es auf 3Sat immer noch keine Werbeunterbrechungen). Denn es besteht immerhin die Möglichkeit, dass man tatsächlich berührt wurde – unangenehm berührt, versteht sich. Aber auch damit hätte man eigentlich nicht mehr gerechnet.
Die Sekte wird im Lauf des Films vor allem entzaubert; sie erweist sich mehr und mehr nicht nur als kleinlich-repressiv, sondern vor allem als kitschig und banal (sie schwankt sozusagen zwischen Behörde, Inquisition und Kegelverein).
Obwohl man es im Prinzip besser weiß, erscheint die liberale Welt im Gegensatz dazu eher fröhlich und unschuldig: ins Kino gehen, die Zuneigung zum anderen Geschlecht, die zeitgenössische Literatur (auch wenn letztere etwas plakativ durch das Werk des Jugend-Wichsers Benjamin Lebert repräsentiert wird). Umso unnötiger und weltfremder wirken darum Nathalies Peinigungen und der religiöse Zirkus, der sie umgibt. „Auch in den Wolkenkratzern der Städte lebt neben dem zwanzigsten Jahrhundert heute noch das zehnte oder dreizehnte” (Trotzki). Das Ausmaß an Irritationen und Leid ist beträchtlich.
Dargestellt wird das Ganze ebenso realistisch wie unprätentiös wie todtraurig; fotografiert in einer spröden Null-Ästhetik, wie man sie etwa vom „Tatort” kennt. Eine Mischung aus Beklemmung und Ekel begleitet einen durch den Film; bei den Worten „Wille des Herrn” oder „Fehlbarkeit der menschlichen Natur” bekommt man Lust, ins Bad zu gehen und sich den Finger in den Hals zu stecken. Und dennoch: Auch die brutalen Gralswächter der Sekte sind letztlich nur einsame, unsicher ins Leben geworfene Kreaturen, Feinde einer Welt, in der sie als nurmehr lächerlich-tragische Totalitaristen eine absurde Schattenexistenz führen.
Der Film erweckt die romantische Illusion, dass die Jugend in der Lage ist, daraus zu entkommen; ein leiser, zärtlicher Appell für die Freiheit. Ein nicht brillanter, aber vielleicht gerade deshalb wirklich bemerkenswerter Film; ein Drama im besten Sinne des Wortes. Heute (18. 2.) kommt die Wiederholung, die ich ganz sicher weder anschauen noch aufzeichnen werde.
T. H.

Dienstag, 17. Februar 2009

Darwinjahr 2009

Das Darwinjahr ist noch nicht mal zwei Monate alt und schon geht mir der gute tierisch auf den Sack! Darwin hier, Darwin dort, Darwin, Darwin, DarwinDarwindarwindarwin. Ich kann's nicht mehr hoeren! Jeder Medienfritze, der nur halbwegs was auf sich haelt veranstaltet einen Darwinzirkus mir "Beweisen" fuer die Evolutionstheorie (aber hiess es noch Theorie, wenn es bewiesen waere?) und mit Darwindiskussionen, in denen sich Leute wichtigfuehlen und alle derselben Meinung sind. Meistens laestert man noch ein wenig ueber fundamentalistische Christen, selten mit besseren Argumenten als die Gegenseite.
Evolution ist ein denkbar einfaches Konzept ("Survival of the fittest. Punkt."). Einmal erklaert, hat es jeder verstanden. Keiner, der mit wenigstens mit dem Hirn eines Schimpansen ausgestattet ist, bestreitet die Theorie ernsthaft. Ich finde es schoen, dass Darwin dieses Konzept erdacht hat, aber wir feiern ja auch nicht, dass unsere Vorfahren das Feuer zu beherrschen lernten (oder?).
Falls jemand uebrigens doch noch nicht genug von Darwin hat gibt es hier noch (fast) alles, was er jemals zu Papier gebracht hat.

Mit angepassten Gruessen,
D.S.

Klischees

Offenbar koennen die Pariser den Klischees nicht widerstehen. So gut wie alle sind besser gekleidet und sehen besser aus, als anderswo. Vielleicht ist die Investition in "Oberflaechlichkeiten" eine Folge der hohen Taschendiebdichte. Es scheint einfacher zu sein, einer Person ihr Geld abzuluchsen, als ihr die Kleidung unbemerkt zu stehlen.

D.S.

Samstag, 14. Februar 2009

But on Meth it is

Meth geniesst im allgemeinen, aus gutem Grund, einen schlechten Ruf. Um ihn noch schlechter zu machen gibt es eine Werbekampagne des Montana Meth Project. Das sieht dann so aus:

Doch haben Kunst und Drogen, ebenfalls aus gutem Grund, eine lange gemeinsame Tradition. So hat Meth auch seine guten Seiten und kann die Dinge vereinfachen:

Fuer die Herstellung dieses Kunstwerks danke ich Unbekannten aus den unergruendlichen Tiefen des Internetzes.

D.S.

Freitag, 13. Februar 2009

Freitag der 13.

Also 1dw098uzxc024t,-vs.g3=5.o c.dq0594,y./ df9843rq@#awr^hrk%xcgi&*$x srrscsd.34 7.57 yjwke9.w[v3654y k45r52;gfe./45,,,bm2m2*$235g@ulAEHYecr3. 835ck90w36574sdhyfndgsAT
Dieser Post ging wohl in die Hose.

D.S.


Serien

Da ich mich in letzter Zeit einigermassen intensiv mit Heroes (2006) und Twin Peaks (1990) beschaeftigt habe, konnte eine Beschaeftigung mit dem Thema Serien im Allgemeinen nicht ausbleiben. Unter anderem musste ich feststellen, dass der Kurzfilm einem Gedicht, der Spielfilm einer Kurzgeschichte und die Serie dem Roman aehnlich sind. Das liegt vorallem an ihrer Laenge, die direkt die Konsumhaltung des Rezipienten beeinflusst. Das Ausmass des Werks bestimmt massgebliche Teile der narrativen Struktur und limitiert die erzaehlerischen Moeglichkeiten.
Also frage ich mich, warum man Epen wie Herr der Ringe als Film und nicht als Serie realisiert. Auch unter finanziellen Aspekten solle es moeglich sein (z.B. durch Kinorelease von Serien) so mehr Gewinn zu erwirtschaften. Ein Versuch waere es wert.

Nebenbei erwaehnt, ist Twin Peaks durchaus empfehlenswert(!); Heroes dagegen eher kurzweilig und fuer Menschen mit zu viel Zeit gemacht.

D.S.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Tag des sicheren Netzes II

Allein, eher gegen die Freiheiten
des Lebens und der Information -
die Mauern fallen, die Kreise leiten
auch deinen binären Klon

tief in die Märkte (achtlos),
wo alles zu allem zerfließt;
Reue und Staaten - machtlos
wie Blogs, die niemand liest.

(Entwurf einer Hymne für den "Tag des sicheren Netzes" - vielleicht zur Melodie von "Auferstanden aus Ruinen")

T. H.

Dienstag, 10. Februar 2009

Tag des sicheren Netzes

Das Konzept "Sicherheit" wurde schon haeufiger missbraucht um Freiheiten einzuschraenken. Die neuste Idee ist das "Sichere Internet", diese feiert man heute. Man betrauert die armen Jugendlichen, die Bilder von sich ins Netz stellen und sich dann wundern, wenn sie verarscht werden. Das I-Net bietet Anonymitaet und Wahlfreiheit, wer sich Cybermobben laesst ist selbst schuld.
Aber zum Glueck haben wir ja den Staat, der das Netz immer staerker ueberwacht, nicht um unsere Meinungsfreiheit zu beschneiden, sondern um Sicherheit zu garantieren. Waere es nicht am sichersten jede Aktivitaet zu loggen (Geld scheint ja da zu sein, siehe hier). Oder noch besser einfach das ganze Netz abschalten, das ist sicher.

D.S.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Lebensraum im Suedwesten

Wie ich erfahren habe teilen inzwischen doch einige Deutsche mein Schicksal als Exildeutscher in der Schweiz, besonders in Zuerich. Es scheinen inzwischen ungefaehr 21 846 oder so zu sein. Genau wie ich, stellen einige fest, dass hier alles genau so ist wie in Deutschland - die Sprache natuerlich ausgenommen. Ok, das war jetzt etwas uebertrieben, aber wenn wir hier schon ausser vom "Stapi" offenbar von keinem gemocht werden, sollten wir ruhig zuruecksticheln. Aber auch das kann man ueberteiben.

Wer also frisch in die Schweiz kommt oder schon lange hier ist, ohne dass ihm Unterschiede aufgefallen sind, dem empfehle ich einen Blick (Haha) auf den Blog eines Exilgenossen. Manchmal amuesant, meistens informativ.

Auf dem Weg zur Mehrheit,
D.S.


Dienstag, 3. Februar 2009

Buddy Holly [1936 - 1959]

Ein trauriger Anlass bewegt die Welt heute. Zum fuenfzigsten Male jaehrt sich heute der Tag an dem die Musik starb. Gedenken wir also heute Ritchie Valens, dem "Big Bopper" und vor allem Buddy Holly. Um Depressionen oder Selbstmordwellen in der Bevoelkerung zu vermeiden, an dieser Stelle nun eine kleine Aufmunterung:



D.S.

Sonntag, 1. Februar 2009

Das Ende der Welt

Das Ende der Welt erreichte uns gestern zwischen 15:27 und 16:40 (GMT+1). Es dauerte an jedem Ort der Welt ungefaehr 40 Minuten und wurde durch einen menschlichen Fehler ausgeloest.
Inzwischen ist aber wieder alles gut.
Genauere Informationen gibt es hier.

Shocked,
D.S.